Der Schließzylinder bildet das Herzstück jedes Schlosses und sorgt für Schutz und Sicherheit. Doch Türzylinder ist nicht gleich Türzylinder. Ein Normalzylinder bietet einen Basisschutz gegen unbefugtes Öffnen der Tür. Doch damit ein Schloss wirklich sicher und die Tür gegen Einbruch geschützt ist, ist ein Sicherheitszylinder unerlässlich. Doch welche Elemente unterscheiden einen Normalzylinder von einem Sicherheitszylinder? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Zylinderarten.
Was ist ein Türzylinder und welche Arten gibt es?
Die Grundaufgabe eines Türzylinders ist es, für den Schließmechanismus einer Tür zu sorgen. Der Zylinder schafft die Verbindung zwischen Schlüssel und Schloss. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Haustür, eine Wohnungstür oder eine andere Tür handelt – jede Tür mit einem Schloss benötigt einen Schließzylinder. Gefertigt werden die Zylinder aus unterschiedlichen Materialien bzw. Legierungen. Sie können Messing, Edelstahl oder Stahl enthalten. Die Art der Legierung hat Auswirkung auf die Widerstandsfähigkeit des Schlosses.
Türzylinder gibt es in unterschiedlichen Längen, die zur Länge der Tür passen müssen. Ein zu kurzer Zylinder erschwert die Bedienung beim Öffnen und Schließen der Tür. Ein zu langer Zylinder kann Kriminellen dein Einbruchsversuch erleichtern.
Der Aufbau eines Schließzylinders
Jeder Schließzylinder – egal ob Normal- oder Sicherheitsausführung – hat einen klaren und technisch ausgefeilten Aufbau und besteht. Ein Schließzylinder besteht aus den folgenden Bestandteilen:
- Zylindergehäuse
- Zylinderkern
- Stiftpaare
- Federn
- Mitnehmer (Nocken)
Das Zylindergehäuse
Das Zylindergehäuse ist die äußere Hülle, in der alle anderen Bauteile sitzen. Das Gehäuse wird fest im Türschloss montiert und enthält bereits Bohrungen für die Stifte und Federn. Das Gehäuse muss in der Länge passend zur Tür gewählt werden. Nur so bietet der Schließzylinder optimalen Schutz.
Zylinderkern (oder Schließkern)
Der Zylinderkern ist der drehbare Innenteil, in den der Schlüssel eingeführt wird. Dafür verfügt der Zylinderkern über längliche Fräsungen. Der Kern dreht sich nur, wenn der Schlüssel die Stifte in die richtige Position bringt.
Stiftpaare
In jedem Stiftkanal sitzen zwei Stifte übereinander. Die Kernstifte liegen im Zylinderkern und berühren den Schlüssel. Die Treiberstifte liegen darüber und werden durch die Federn nach unten gedrückt. Mit dem richtigen Schlüssel werden die Stifte auf die sogenannte Trennlinie angehoben und der Zylinderkern lässt sich drehen.
Federn
Die Federn drücken die Treiberstifte nach unten, damit der Zylinder ohne Schlüssel blockiert. In diesem Zustand kann die Tür nicht geöffnet werden.
Mitnehmer (Nocken)
Das ist das Verbindungselement zwischen Zylinderkern und dem Riegel im Schloss. Der Mitnehmer dreht sich, wenn der Schlüssel den Kern bewegt. Er zieht oder schiebt den Riegel.
Grundsätzlich sind ein Normalzylinder und ein Sicherheitszylinder gleich aufgebaut. Bei einem Sicherheitszylinder kommen jedoch zusätzliche Sicherheitselemente zum Einsatz. Dazu gehören:
- gehärtete Stifte als Schutz gegen Aufbohren
- Profilkontrolle gegen falsche Schlüsselrohlinge
- zusätzliche Seitenstifte oder Scheibensysteme für höheren Kopierschutz
- Ziehschutz durch verstärkte Bauweise oder spezielle Schutzscheiben.
Der Normalzylinder: Standard mit begrenztem Schutz
In vielen Häusern und Wohnungen ist der Normalzylinder Standard. Das kommt nicht von ungefähr. Denn ein Normalzylinder ist günstig in der Anschaffung. Er erfüllt seinen Zweck, indem er den Schließmechanismus der Tür ermöglicht. Allerdings verfügt ein Normalzylinder über keine besonderen Sicherheitsfeatures. Das macht diese Zylinderform anfällig gegenüber Aufbohren und Picking. Unter Picking versteht man den Versuch, ein Schloss mit Spezialwerkzeugen zu öffnen, indem man die Stellung des Schlüssels imitiert. Eine Tür mit einem Normalzylinder kann sogar mit der Schlagtechnik geöffnet werden. Sicherheit sieht anders aus. Daher sind Türen mit Normalzylinder nur für den Innenbereich oder bei einem geringen Sicherheitsbedarf geeignet.
Sicherheitszylinder: Schutz auf einem höheren Level
Eine Tür mit einem Sicherheitszylinder erhöht die Sicherheit deutlich. Denn ein Sicherheitszylinder ist mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet. Dazu gehören folgende Elemente:
- Gehärtete Stifte
- Spezielle Stiftfedern
- Aufbohrschutz, z.B. in Form von Platten
- Ziehschutz
- Anbohrschutz
- Kopierschutz für Schlüssel: Der Schlüssel lässt sich nur mit der offiziellen Sicherungskarte nachmachen
Die Normen für Sicherheitszylinder
Für Sicherheitszylinder gelten in Österreich verschiedene Normen:
- Die DIN EN 1303 (Europäische Norm für Schließzylinder) bewertet die Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Angriffe, die Lebensdauer und die Beständigkeit gegenüber Korrosion
- Der Verband der Sachversicherer (VdS) nimmt eine Einstufung in Sicherheitsklassen (A, B, B+) vor. Die Klassen sind abhängig davon, wie groß der Widerstand des Zylinders gegenüber Picking, Ziehen oder Bohren ist.
Die Vorteile eines zertifizierten Zylinders liegen auf der Hand. Ein zertifizierter Zylinder bietet verlässlichen Schutz gegen Einbruch und erhöht damit das Sicherheitsgefühl. Zudem ist ein Sicherheitszylinder oftmals Voraussetzung dafür, dass die Versicherung nach einem Einbruch zahlt.
Und auch Sicherheitszylinder ist nicht gleich Sicherheitszylinder. Es gibt hier noch einmal Unterschiede zwischen Standard-Sicherheitszylindern und Hochsicherheitszylindern.
Standard-Sicherheitszylinder vs. Hochsicherheitszylinder
Ein Standard-Sicherheitszylinder bietet durch seine Konstruktion einen soliden Basisschutz gegen gängige Einbruchmethoden, wie Picking oder Aufbohren. Meistens sind die Zylinder dafür mit gehärteten Stiften oder einem einfachen Bohrschutz ausgestattet. Ein Kopierschutz für den Schlüssel ist vorhanden, aber meist nur auf einem niedrigen Niveau. Ein Standard-Sicherheitszylinder ist günstiger als ein Hochsicherheitszylinder und eignet sich für private Haustüren in normalen Wohngebieten.
Ein Hochsicherheitszylinder verfügt über einen mehrschichtigen Schutz durch verschiedene Mechanismen. In der Regel werden Mechanismen gegen Aufbohren, Ziehen, Abtasten und ein Schlagtechnikschutz miteinander kombiniert. Eine höhere Anzahl an Sperrstiften und eine komplexere Stiftanordnung erschweren Einbrechern das Picking. Hochsicherheitszylinder sind in der Regel nach VdS-B oder VdS-B+ zertifiziert. Schlüssel lassen sich nur über die Sicherungskarte bei einem autorisierten Fachhändler nachmachen.
Die Zylinderform ist zum Beispiel für Gewerbeimmobilien oder Mehrfamilienhäuser geeignet. Auch wenn es hohe Sicherheitsanforderungen bezüglich des Inhalts gibt oder eine Immobile in einem risikoreichen Gebiet liegt, ist ein Hochsicherheitszylinder empfehlenswert.
Welcher Zylinder letztlich in die Tür eingebaut wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Dem Sicherheitsbedarf
- Der Türart
- Dem Budget
Wichtiger Hinweis: Egal, ob es sich um einen Normalzylinder oder einen Sicherheitszylinder handelt, die fachgerechte Montage durch einen Sicherheitstechniker erhöht die Schutzwirkung der Tür deutlich.
Fazit: Welcher Zylinder für welche Situation?
Ein Schließzylinder ist ein wichtiger Mechanismus, um ein Gebäude gegen Einbruch zu schützen. Ob ein Normalzylinder oder ein Sicherheitszylinder eingebaut werden soll, hängt von verschiedenen Faktoren, wie dem Sicherheitsbedarf, der Türart und dem Budget ab. In stark frequentierten Gebäuden, wie Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeimmobilien mit wertvollem Inventar ist ein Sicherheitszylinder empfehlenswert. Er ist bei vielen Versicherungen auch die Voraussetzung dafür, dass die Versicherung im Falle eines Einbruchs zahlt und den Schaden ersetzt.


